Dienstag, August 30th, 2011
Sparanlagen für Handwerksunternehmen
Handwerksunternehmen müssen stets Steuerrücklagen bilden, Liquiditätsreserven vorhalten und sich möglicherweise gegen Währungsschwankungen absichern, wenn sie mit ausländischen Handelspartnern geschäftliche Beziehungen unterhalten. All das spricht für ganz bestimmte Formen der Geldanlage, die gemäß dem notwendigen Anlagehorizont mit der jeweils größtmöglichen Rendite gewählt werden sollte.
Sehr kurzfristig: das Tagesgeld als Liquiditätsreserve
Unerwartete Ereignisse können einen plötzlichen Finanzbedarf verursachen, der sofort flüssiggemacht werden muss. Hier ist eindeutig ein Tagesgeldkonto das Mittel der Wahl. Es bringt im August 2011 um 2,50 Prozent und kann täglich genutzt werden. Die entscheidende Frage hierbei ist, wie viel der Reserven so angelegt werden sollen. Bei Festgeld gibt es doppelt so viele Zinsen, also wäre das Geld dort besser aufgehoben. Der Handwerksunternehmer muss nach seinen betrieblichen Erfordernissen entscheiden, welcher Finanzbedarf urplötzlich entstehen könnte. Das müssen keine Katastrophen wie eine ausgefallene Maschine sein, es kann sich auch erfreulicherweise um plötzliche Großaufträge handeln, für die kurzfristig vorfinanziert werden muss. Dann würde das Tagesgeld genutzt werden. Je nachdem, wie oft so etwas gewöhnlich vorkommt, sollte die entsprechende Summe eingeplant werden – mit dem Hintergedanken, dass das Festgeld, wenn dieses vorfristig in Anspruch genommen wird, keine Zinsen bringt.
Steuerrücklagen: klares Votum für Festgeld
Damit wäre auch die Entscheidung für das Festgeld gefallen. Aus der Sicht des Sparers könnte man für einen recht hohen Anteil an Festgeld plädieren, es bringt schließlich die höchsten Zinsen, was ein Festgeld-Vergleich schnell zeigt. Aus der Sicht des Handwerksmeisters, der flüssig bleiben möchte, sollte nur so viel fest angelegt werden, wie für die nächste Steuernachzahlung benötigt wird. Dieses Geld soll und muss fest liegen und jeder Versuchung entgehen, es vorher zu verwenden, damit es keinerlei Schwierigkeiten mit dem Finanzamt geben kann. Und da ist die Festgeldanlage genau das richtige Mittel, denn diese erwirtschaftet nur die hohen Zinsen, wenn das Geld über den vereinbarten Zeitraum liegen gelassen wird. Also kalkuliert der kluge Handwerksmeister, wie viel Geld maximal für die Steuer benötigt werden könnte, und legt dieses fest an, und zwar bis zum Termin der Nachzahlung, also ein Jahr. Sollte es keine Nachzahlung geben (es gibt ja Vorauszahlungen), dann wurde ein schöner Gewinn erwirtschaftet.
Optionen zur Währungsabsicherung
Das ist das schwierigste Feld, aber auch eine sehr wichtige und drängende Aufgabe. Handwerksmeister an der Grenze zur Schweiz, zu Polen oder Tschechien, Dänemark oder dem baltischen Raum mit Handelsbeziehungen dorthin hantieren nicht selten mit mehreren Währungen, deren Schwankungen zum Euro schwer zu prognostizieren sind. Also werden Optionen gegen einen möglichen Währungsverfall gekauft. Der Handwerksmeister wird Markisen im Oktober in die Schweiz liefern, das Geschäft ist in Schweizer Franken vereinbart. Sollte der Euro gegen den Franken fallen, wie es im Juli 2011 geschah, macht unser Handwerksmeister ein gutes Geschäft, denn er kauft im Inland in Euro das Material, bezahlt seine Mitarbeiter in Euro und erhält durch den gefallenen Euro – den gestiegenen Franken – relativ mehr Geld für seine Ware.
Was aber, wenn der Trend wieder in die andere Richtung geht? Der Schweizer Geschäftspartner hat natürlich mitgerechnet und verhandelt die nächste Lieferung – für den April 2012 – zu einem niedrigeren Preis, er glaubt, dass der Gewinn für den deutschen Handwerksmeister immer noch hoch genug wäre. Das stimmt auch, wenn der Kurs so bleibt oder der Euro noch weiter gegen den Franken fällt. Im gegenläufigen Fall würde der deutsche Handwerksmeister jedoch einbüßen, daher kauft er sich einen Optionsschein, der auf den steigenden Euro gegen Franken spekuliert. Entweder tritt dieser Fall ein, dann hat er am Optionsschein verdient, oder der Euro fällt oder bleibt gleich, dann hat er an seinem Geschäft zufriedenstellend verdient. Das ist aber ein Sicherungsgeschäft, ein spekulatives dazu. Eine Geldanlage im Sinne von Ersparnis ist es nicht, es kann auch nie hundertprozentig kalkuliert werden.